Tesla-Akku mit Solardach aufladen – klappt das in Deutschland?

Tesla bietet Kunden an, das Dach des Eigenheims mit Solarziegeln zu decken, um Strom für das Auto zu gewinnen. Kann das auch in Deutschland funktionieren, wo die Sonne bekanntlich nicht immer scheint?

Ideen hat Tesla-Chef Elon Musk ja genug. Wie wäre es zum Beispiel damit, den Strom für einen Tesla selbst zu erzeugen, mit einem Solardach? Das Tesla Solar Roof, 2016 erstmals vorgestellt, ist seit Anfang 2018 in Produktion. Erste Vorbesteller in den USA wurden inzwischen beliefert. Statt herkömmlicher Dachziegel werden auf einem Dach dann optisch ähnliche Solarziegel eingesetzt. In einer Powerwall aus gleichem Hause könnte der so gewonnene Strom gespeichert werden und nicht nur einen Tesla aufladen, sondern auch in den Stromkreislauf zuhause eingespeist werden.

Natürlich hat das seinen Preis. Ein Solar Roof kostet samt Installation rund 50.000 Euro, die Powerwall noch einmal 6.000 Euro obendrauf. Noch hat Tesla die Solarziegel in der Eile in Deutschland gar nicht zugelassen, dazu sind auch noch einige Behördengänge notwendig. Das Aufwändigste daran ohnehin: die Verkabelung der Ziegel untereinander. Da jeder einzelne davon nur etwa 1 Fuß groß ist und ihr Wirkungsgrad begrenzt, braucht es dafür also Dutzende oder gar einige hundert auf dem Dach. Ein ziemlicher Kabelsalat. 

Im kalifornischen Sommer klappt’s – und im deutschen Winter?

Eine der ersten, die das Tesla Solar Roof bereits in Betrieb genommen haben und darüber berichten, sind Hausbesitzer in San José in Kalifornien. Anfang Juli hat das Solardach dort den Strombedarf des ganzen Hauses gedeckt, und es war sogar noch ein wenig übrig, was man ans örtliche Stromnetz weiterverkaufen konnte.

Das alles, wie gesagt, im Juli, in Kalifornien. Da, wo nach unserem Empfinden die Sonne immer scheint. Aber wie ist es in Deutschland, im Winter? Unsere schöne Bundeshauptstadt Berlin verzeichnet im Januar im Schnitt knapp 45 Sonnenstunden, im Jahresdurchschnitt sind es etwa 120 Stunden pro Monat, also immerhin 4 Sonnenstunden pro Tag. Solaranlagen brauchen direktes Sonnenlicht, bei bewölktem Himmel sinkt die Energieausbeute auf unter 10 Prozent. Wie viel Solarfläche bräuchte man also, um einen Tesla-Akku bei im Schnitt 4 Sonnenstunden wieder aufzuladen?

Großes Haus nötig oder sonnigeres Wetter

Eine kleine Rechnung: Ein Tesla Model S 100D verfügt über einen 100 kWh-Akku. Ein Solarpanel mit 1 Quadratmeter Fläche bringt es nach halbwegs realistischem Szenario auf etwa 100 Watt. Bei vier Sonnenstunden würde 1 qm Solarfläche also 400 Wh erzeugen, was 0,4 kWh entspricht. Wollte man in dieser Zeit den Akku des Model S 100D vollständig aufladen, wären 100/0,4 kWh, also 250 Quadratmeter Solarfläche notwendig. Also etwa 16 mal 16 Meter Dachfläche, die zur Sonne hin geneigt ist. Oder, nach gängigeren Dachmaßen beispielsweise auch 25 mal 10 Meter. 

Das müsste schon ein verdammt großes Haus sein, und sein Dach müsste komplett mit dem Tesla Solar Roof gedeckt sein. Dann ginge die Rechnung ungefähr auf. Würde man eigene Solarpanels nutzen wollen, bräuchte man hier schon einen ganzen Garten voller Solarzellen. Oder, kurz gesagt: noch eine weitere Stromquelle, wie den Hausstrom.

Zusammengefasst: Um einen Tesla in unseren Breiten nur mit Solarstrom zu laden, bräuchte man schon sehr viele Solarzellen oder ein besonders großes Haus. Wer das nicht hat, braucht noch eine andere Stromquelle zusätzlich. Und da ist die Frage, ob sich die mehrere zehntausend Euro teure Investition überhaupt lohnt, einmal abgesehen davon, dass Tesla die Zulassung dafür in Deutschland noch fehlt. Von einer Verfügbarkeit der Solardachziegel einmal ganz abgesehen.