Warum ein neuer Verbrenner nicht mehr lohnt

Abgasskandal, Fahrverbote, Blaue Plakette, Neuzulassungsverbote – lohnt es sich noch ein Auto mit Verbrennungsmotor zu kaufen?

Nicht erst seit dem Abgasskandal zeichnet sich das Ende des Verbrennungsmotors im Auto ab. Die Frage ist nur, wie lange er sich noch halten kann. Das Elektroauto ist nicht mehr weit vom „Break even“ entfernt – also dem Punkt, an dem ein Elektroauto günstiger ist als ein Verbrenner. Schon heute ist bei bestimmten Anwendungsszenarien dieser Punkt für verschiedene Elektroautos erreicht.

Dass der Verbrennungsmotor eine Sackgasse ist, zeigen auch die Probleme mit der Luftverschmutzung in den Städten. In vielen Städten übersteigen Stickoxid- und Feinstaubbelastung regelmäßig die Grenzwerte. Deshalb hat die EU-Kommission bereits ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland eingeleitet. Sofern die Kommunen die Luftverschmutzung nicht in den Griff bekommen, wäre der nächste Schritt eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Im Falle einer Verurteilung kann der EuGH Sanktionen wie zum Beispiel Zwangsgelder für jeden Überschreitungstag verhängen. Das wird dann sehr teuer für die Städte – und damit für den Steuerzahler. Geld, das an anderer Stelle fehlt.

Es geht um unsere Gesundheit

Es sollte also in unser allem Interesse liegen, die Luftverschmutzung in den Städten zu bekämpfen. Und dabei geht es nicht nur um wertvolles Steuergeld, sondern auch um unsere Gesundheit. Und wir reden hier nicht über Hirngespinste militanter Radfahrökos. Stickoxide und Feinstaub stellen eine erhebliche Gefahr für unsere Gesundheit dar. Und das betrifft uns alle – aber besonders Kinder, Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen. Luftverschmutzung führt zu Atemwegs-, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kann Krebs auslösen. In Deutschland sterben Jahr für Jahr 35.000 Menschen an den Folgen der schlechten Luft. Das sind fast zehn Mal so viele, wie jedes Jahr in Deutschland bei Verkehrsunfällen sterben.

Es ist also unausweichlich, dass die Städte Fahrverbote für Diesel- aber auch für Benzinfahrzeuge verhängen. Stuttgart setzte erfolglos auf freiwillige Maßnahmen. Ab 1. Januar 2019 ist die Stadt jetzt für Fahrzeuge mit Euro 4/IV gesperrt. Sollte sich die Situation nicht verbessern, dürfen ab 1. September 2019 auch keine Fahrzeuge mit Euro 5/V mehr in die Umweltzone Stuttgart farhen.

Die Tage des Verbrenners sind gezählt

In Norwegen nehmen Neuzulassungsverbote für Autos mit Verbrennungsmotor ab 2025 bereits konkrete Formen an. In den Niederlanden, Österreich und anderen Ländern diskutiert die Politik ebenfalls solche Maßnahmen. Und auch der Bundesrat – als Vertretung der Länder – hat sich bereits für Neuzulassungsverbote ab 2030 ausgesprochen. Den Antrag unterstützten auch Länder, die von CDU- oder SPD-Landesregierungen geführt werden. Vor allem die CDU steht nun wirklich nicht unter einem Öko-Ideologie-Verdacht.

Es wird also eng für Autos mit thermischem Antrieb. Daher sollte der Neuwagenkauf gut überlegt sein. Denn wer heute mehrere 10.000 Euro für ein Auto mit vermeintlich modernen Verbrennungsmotor ausgibt, hat vielleicht in wenigen Jahren nur noch einen Haufen wertloses Blech in der Garage stehen.

Wenn jetzt die ersten Fahrverbote kommen, werden die Gebrauchtwagenpreise weiter fallen. Selbst kann man dann mit seinem Auto in vielen Städten nur noch bis an den Stadtrand fahren. Und wir sprechen nicht nur von Deutschland – wo die Autolobby immer noch sehr stark ist. Im europäischen Ausland ist der Einfluss der deutschen Automobilindustrie deutlich kleiner. So tun sich andere europäische Länder nicht so schwer mit drastischen Maßnahmen.

Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben

Beim Blick unter die Motorhaube eines modernen Verbrenners zeigt sich, dass die Technik immer aufwendiger und komplizierter wird. Dabei geht die Lösung eines Problems oft mit der Schaffung eines neuen Problems einher. Direkteinspritzer Benziner-Motoren sind zwar effizienter, produzieren aber auch die besonders gefährlichen PM2,5 und PM0,1 Feinstäube. In der aktuellen Diskussion geht es aber hauptsächlich um PM10-Feinstäube. Die Zahl gibt die Größe des Partikels in Mikrometern (µm) an. Das Tückische, je kleiner die Partikel, desto weiter können sie in Organismen eindringen und Schäden anrichten. Zwar haben 50g PM10 Feinstaub die gleiche Masse wie 50g PM0,1 Feinstäube, jedoch ist die Zahl der Partikel um ein Vielfaches höher. Die Gesamtoberfläche, an der sich weitere Schädliche Substanzen wie Stickoxide binden können, ist ebenfalls um ein Vielfaches größer.

Moderne Dieselmotoren haben Partikelfilter gegen Feinstäube und sogenannte SCR-Katalysatoren, um die Stickoxide zu neutralisieren. Alles gut also? Leider nicht. Der SCR-Kat erzeugt aus Harnstoff Ammoniak, dass das Stickoxid zu Stickstoff und Wasser. Im Deutschlandfunk warnte kürzlich Prof. Dr. Andreas Wahner, Direktor des Instituts für Energie- und Klimaforschung am Forschungszentrum Jülich, vor den Folgen der Technologie. Denn die präzise Dosierung des Ammoniaks gelinge nicht immer: „Was wir in unseren Messwagen jetzt schon feststellen ist, dass wir jetzt schon sehr hohe Spitzenkonzentrationen von Ammoniak in Straßenschluchten messen. Auch ein nicht ganz ungefährliches Gas. Und hinzukommt, wenn viele Euro 6/IV Fahrzeuge mit SCR-Kat herumfahren, entsteht eben nicht nur Ammoniak dabei, sondern auch das Anhydrit der Blausäure HNCO. Das in sehr geringen Konzentrationen in Städten messbar ist. Das heißt, selbst wenn wir NO2 reduzieren, es wird in den nächsten Jahren mit dieser Technik neue Fragestellungen geben, die weitere Forschung und mehr Verständnis der chemischen Prozesse benötigt.“ 

Es zeichnet sich also ab, was eigentlich jedem klar sein sollte. Das Verbrennen von Kohlenwasserstoffen ist nie eine saubere Sache. Ist ein Problem gelöst, lauert schon am Horizont das nächste Problem. Da ist der Elektroantrieb doch die bessere Alternative.

Elektroauto oder günstigen gebrauchten Verbrenner kaufen

Was also machen, wenn man jetzt oder im kommenden Jahr ein neues Auto braucht? Das wichtigste ist, sich vorurteilsfrei mit den Alternativen zu beschäftigen. Wer nicht auf ein eigenes Auto verzichten will oder kann, sollte sich ernsthaft Gedanken über ein Elektroauto machen. Mit der neuen Generation Fahrzeugen, die in immer größerer Zahl bei den Händlern stehen, ist Reichweitenangst für die allermeisten passé. Die Renault ZOE kommt mit einer 41 Kilowattstunden Batterie. Das reicht im Sommer für bis zu 300 Kilometer Reichweite. Im Winter sind noch 250 Kilometer realistisch.

Der Opel Ampera-e wartet mit einer 60 Kilowattstunden Batterie auf. Das soll im Alltag für 300 bis 400 Kilometer Reichweite genügen. Damit gibt es eigentlich keine Pendlerstrecke mehr, die ein solches Auto nicht schafft. Der BMW i3 (40 Kilowattstunden) und der Nissan Leaf (40 Kilowattstunden) haben ebenfalls ein Reichweiten-Upgrade bekommen. Im Alltag schaffen die beiden damit 180 bis 230 Kilometer. Neue Modelle wie der Hyundai Kona und Kia eNiro (beide 64 Kilowattstunden) und vor allem das Tesla Model 3 (74 Kilowattstunden), erweitern 2019 die Palette weiter. Auch Mercedes steigt mit dem EQC wie Audi mit dem etron in das Geschäft mit reichweitenstarken Elektroautos ein. 

Dank Schnellladung können die Autos auch mal längere Strecken zurücklegen. Wenn es dann wirklich mal 1.300 Kilometer in den Urlaub oder zu Tante Frida geht, stehen mit Mietwagen, CarSharing oder öffentlichen Verkehrsmitteln vernünftige Alternativen bereit.

Gebrauchte Elektroautos als Alternative

Die Kilometerkönige sind das Model S, 3 und X von Tesla. Diese sind zwar auf den ersten Blick sehr teuer – aber eben auch kein VW Polo. Unter dem Strich ist vor allem das Model S in der Gesamtkostenrechnung für Vielfahrer eines der günstigsten Fahrzeuge in dieser Preisklasse. Das Model 3 erweitert die Preisspanne nach unten und macht die elektrische Langstrecke für mehr Menschen verfügbar.

Für wen jetzt aber trotzdem noch nichts dabei ist – oder wen die Preise der Elektroautos schrecken, sollte die Zeit mit einem günstigen Gebrauchten mit Verbrennungsmotor überbrücken. Inzwischen gibt es auch schon reichlich gebrauchte Elektroautos. Der Citroen c-Zero oder Peugeot iOn lässt sich mit etwas Geduld bei der Suche für 8.000 Euro finden. Der Renault ZOE beginnt gebraucht bei etwa 10.000 Euro. Der Nissan Leaf ist gebraucht ab 13.500 Euro zu bekommen. Der Mitsubishi iMiEV liegt etwa bei 10.000 Euro.

Aber ein Elektroauto ist ja gar nicht sauberer als ein Diesel! Dieses Argument ist oft zu lesen und hören. Wer das ernsthaft behauptet, kann es selbst ausprobieren. Einfach mal mit einem laufenden Diesel und einem eingeschalteten Elektroauto in die Garage stellen.