Welche Stecker gibt es für Elektroautos?

Damit Strom in den Akku eines Elektroautos fließen kann, benötigt man einen Stecker. Doch davon gibt es erstaunliche viele Varianten. Ein Überblick.

Stellen Sie sich vor, sie wollen Benzin tanken, aber die erste Tankstelle, die sie anfahren, hat nur einen Zapfhahn, der nicht auf ihre Tankanlage passt. Was ein bisschen absurd klingt, wäre fast bei den E-Autos passiert. Weil die EU ausnahmsweise nicht aufgepasst hat, verbreiteten sich verschiedene Ladesteckeranschlüsse in Europa. Nur mit Mühe gelang es, die proprietäre Vielfalt wieder einzubremsen. Heute gibt es weltweit sieben Steckertypen, wovon drei in der EU zur Anwendung kommen. Japan und die USA verwenden andere Stecker. 

Das es auch bei den in der EU verwendeten Stecker Unterschiede gibt, liegt an den technischen Gegebenheiten. Denn Strom verhält sich nicht wie Benzin, sondern kommt in verschiedenen Formen, zum Beispiel als Gleich- oder Wechselstrom. Das erklärt auch, warum es unterschiedliche Steckertypen gibt.

 

Das sind die gängigsten Steckervarianten für Elektroautos in Deutschland:

Typ 2 Ladestecker

Dieser Stecker ist der Liebling der großen Hersteller. Audi, BMW, Daimler, Smart, Renault, Nissan, VW und Volvo verwenden den Typ2 Stecker. Der Vorteil liegt in der einigermaßen kompakten Bauweise und leichten Handhabung des Stromkonnektors. Hat man einen Typ 2 Stecker, kann dieser sowohl an einem einphasigen Stromnetz (langsame Ladung), aber auch an einem dreiphasigen Stromnetz betrieben werden (schnelle Ladung). Der Stecker verträgt einen Ladestrom von bis 43kW und ist damit für die gängigsten Ladesäulen geeignet. Um die Hersteller zur Nutzung des Typ 2 zu zwingen, hat man sich in Deutschland dazu entschlossen, dass öffentliche Fördermittel für den Bau einer Ladesäule nur dann vergeben werden, wenn die Typ 2 Verbindung verbaut wird. So hat man die fehlende EU-Regelung umgangen. 

CCS Stecker (Combo 2)

Im Grunde ist es der Typ 2 Stecker, dem man allerdings noch zwei weitere Steckmodule angeklebt hat. Die beiden neuen Verbindungen sorgen dafür, dass man seinen Akku sowohl mit Gleich- als auch mit Wechselstrom versorgen kann. Theoretisch verträgt dieser Stecker einen Ladestrom von bis zu 350 kW. Dafür benötigt man natürlich am Auto auch das passende Gegenstück, sonst bleibt es bei der langsameren Lade-Variante mit dem Typ 2 Stecker. 

Der Tesla Stecker

Von außen sieht der Stecker von Tesla wie ein normaler Typ 2 Stecker aus. Aber der US-Hersteller hat sich da was einfallen lassen. Der Stecker ist so modifiziert, dass man damit an den Supercharger Gleichstrom Tankstellen von Tesla Strom zapfen kann. Mit bis zu 120 kW kann man den Tesla-Akku dann laden. Andere Stecker akzeptieren die Tesla-Ladesäulen nicht, andersherum kann man seinen Tesla aber an einer ganz normalen Typ 2 Ladestation wieder mit Energie versorgen.

CHAdeMO

Andere Länder, andere Stecker. Diesen Standard findet man meist in Japan und wird dort schon lange verwendet. Normalerweise findet man ihn in Europa nicht, denn auch die japanischen Hersteller rüsten ihre EU-Fahrzeuge mit dem Typ 2 Stecker aus. Vorsichtig muss man nur sein, sollte man ein älteres E-Auto Japan importieren. Denn mit dem CHAdeMO Stecker steht man vor europäischen Ladesäulen manchmal verloren da. 

Die Steckdose

Tatsächlich kann man sein E-Auto auch einfach mit einem normalen 220 Volt Stecker verbinden. Da der Strom im eigenen Hausnetz nicht ganz so viel Wumms hat, wie an der Ladesäule, dauert es dann allerdings mit dem Laden ein wenig. Während man 40kWh Akku an einer 50 kW Ladesäule nach rund einer Stunde voll ist, benötigt man zu im eigenen Hausnetz dafür rund 12 Stunden. 

Induktionsladung

Der neuste Schrei der Autoindustrie ist die Induktionsladung. Der Strom wird also per Zauberhand kabellos in den Akku transportiert. Diese Systeme sind allerdings noch in der Entwicklung und leisten maximal 14 kW. Das Aufladen eines 100 kWh Akkus dauert dann also ein bisschen. Aber ab 2020 wollen Hersteller wie Audi, BMW und VW dies für ihre Autos anbieten. 

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Technologie, Internet und Mobilität sind Themen die mich und mein Leben antreiben. Als Journalist schreibe ich regelmäßig über diese Themen für die bekanntesten deutschsprachigen Magazine und Zeitungen. Dabei geht es vor allem um die Zukunft der Mobilität in unserer Welt. Elektrifizierung, Autonome Fahrzeuge, Carsharing, und die Wirtschaft um diese Themen werden von mir seit Jahren begleitet und kritisch beschrieben. Als einer der ersten Journalisten in Deutschland, habe ich mit CEOs aus der Mobilitätsbranche über Veränderungen und Herausforderungen gesprochen. Die Fragen, wie wir unsere Zukunft nachhaltig mobil halten, welche Unternehmen für die Veränderungen bereit sind, welche Herausforderungen und Gefahren auf uns warten, habe ich in vielen Artikeln und Analysen beschrieben.